Qualität schlägt Quantität
Im ersten Quartal 2026 wurden in der DACH-Region 24 Transaktionen im Versicherungsvermittlungsmarkt veröffentlicht. Die tatsächliche Aktivität dürfte nach Einschätzung von MarshBerry insbesondere im Segment kleinerer Privatkundendeals nochmals signifikant höher gelegen haben. Entscheidend ist jedoch zunehmend weniger die reine Anzahl der Transaktionen als vielmehr deren strategische Qualität.
Käufer fokussieren sich verstärkt auf Zielunternehmen, die bestehende Plattformen gezielt ergänzen, Spezialisierung vertiefen und regionale Dichte ausbauen. Gleichzeitig zeigt sich ein zunehmend selektiver Akquisitionsansatz: In einem kompetitiveren Marktumfeld gewinnen Integrationsfähigkeit, kulturelle Passung und die Qualität operativer Plattformen deutlich an Bedeutung.
Verschiedenste Konsolidierungsmodelle beginnen aufeinander zu treffen
Deutschland hebt sich nicht nur durch seine Größe hervor, sondern vor allem durch die Vielfalt parallel existierender Konsolidierungsmodelle, die sich zunehmend im Markt begegnen. Neben strategischen Käufern prägen insbesondere Private-Equity-getriebene Konsolidierungsplattformen den Markt. Dabei zeigt sich eine zunehmende Differenzierung der Modelle: Während einige Plattformen klar auf Firmenkundenmakler und Spezialisierung im Gewerbe- und Industriegeschäft fokussiert sind, konzentrieren sich andere auf die Konsolidierung kleinerer Makler und Bestände im Privatkundensegment, häufiger über Asset Deals wie Portfoliokäufe und Maklerrentenmodelle.
Zunehmend an Bedeutung gewinnt zudem die Konsolidierung im Poolmarkt. Hier werden zunächst Pools erworben, um Skaleneffekte, Operating Leverage und Netzwerkeffekte zu realisieren sowie die Marktkonzentration zu erhöhen. Aufbauend auf bestehender Technologie, Prozessen und Produktpartneranbindungen entwickeln sich einzelne Plattformen zunehmend vom Pool hin zum integrierten Privatkundenmakler und erweitern ihre Wertschöpfung durch die Akquisition angeschlossener Makler und Bestände.
Aufgrund der zunehmend kleineren verfügbaren Maklerhäuser bei gleichzeitig unverändert hohem Akquisitionsdruck der Konsolidierer beobachtet MarshBerry verstärkt unterschiedliche Konsolidierungsmodelle, die im „Long Tail“ des Marktes zunehmend um dieselben Zielunternehmen konkurrieren.
Die wichtigsten Transaktionen im ersten Quartal unterstreicht die Vielzahl unterschiedlichster Modelle. Die Übernahme vom Maklerpool Netfonds durch das Warburg Pincus Portfoliounternehmen blau direkt bestätigt die hohe Dynamik in der deutschen Pool-Landschaft, welche nur noch über wenige unabhängige Anbieter relevanter Größe verfügt. Die Akquisition der LTA Legal & Tax Assekuranzmakler durch Aon zeigt den Fokus auf spezialisierte Beratungsnischen mit hoher Expertise. Der Erwerb von Krose durch Gallagher stärkt gezielt die Position im gewerblichen und spezialisierten Geschäft. Die Beteiligung von Ecclesia an Lubeca Versicherungskontor steht dagegen für ein partnerschaftliches Integrationsmodell bei gleichzeitigem Erhalt lokaler Identität und Kundenbeziehungen.
Plattformaufbau entlang klar definierter Segmente
Mid-Market-Plattformen wachsen weiterhin durch gezielte Add-on-Akquisitionen. Die Transaktionen von ATTIKON in den Bereichen Immobilien, Gewerbe und Professional Services stehen exemplarisch für eine segmentorientierte Konsolidierungsstrategie. Im Fokus steht dabei weniger breitengetriebenes Wachstum als vielmehr der Aufbau skalierbarer Expertise in klar definierten Kundensegmenten.
Aventus verfolgt einen komplementären Ansatz mit Fokus auf regionale Dichte und Nachfolgelösungen. Übernahmen wie MIDEMA-Gruppe und Lunzer & Göbbels stärken die lokale Marktpräsenz und sichern gleichzeitig die Kontinuität von Kundenbeziehungen.
Österreich: gezielte Erweiterung bestehender Plattformen
Auch der österreichische Versicherungsvermittlungsmarkt verzeichnet trotz seiner geringeren Größe gegenüber Deutschland weiterhin relevante Konsolidierungsaktivitäten. Die Übernahme der IRM Broker-Gruppe durch HBC, bei der MarshBerry die Verkäuferseite beraten hat, stellt dabei die prägendste Transaktion des Quartals dar. Mit der Akquisition stärkt HBC seine DACH-Plattformstrategie und verbindet lokale Beratungsexpertise mit internationalem Zugang zu Kunden und Risikoträgern.
Weitere Transaktionen, darunter die Übernahme von FIDES durch EFM sowie Zukäufe von KOBAN SÜDVERS, zeigen, dass Konsolidierung in Österreich gezielt und beziehungsorientiert erfolgt. Käufer suchen nicht nach Größe, sondern nach strategischer Ergänzung.
Ausblick: Konsolidierung bleibt, aber die Anforderungen steigen
Die DACH-Region bleibt ein zentraler M&A-Markt für die Versicherungsvermittlung. Das erste Quartal verdeutlicht jedoch zunehmend die strukturelle Weiterentwicklung des Marktes: Während die Transaktionsaktivität insgesamt stabil bleibt, steigen die Anforderungen an Konsolidierungsplattformen und Akquisitionsstrategien spürbar.
Die zentrale Entwicklung ist dabei klar erkennbar: Entscheidend ist nicht mehr allein die Anzahl der Transaktionen, sondern der strategische Mehrwert der jeweiligen Akquisitionen. Erfolgreich werden insbesondere Plattformen sein, die Spezialisierung, belastbare Kundenbeziehungen und konsequente Integration miteinander verbinden. In einem zunehmend kompetitiven Marktumfeld wird operative Umsetzung damit wichtiger als reine Größe oder Transaktionsvolumen.
