Sechs Übernahmen und Zusammenschlüsse im Überblick
Die MarshBerry-Übersicht für das dritte Quartal 2026 umfasst sechs erfasste Übernahmen und Zusammenschlüsse in der belgischen Versicherungsvermittlung. Neben der Expansion bestehender Maklergruppen fällt die Übernahme von Lardenoit Finance & Insurance auf: Hier übernimmt ein neuer Unternehmer mit Unterstützung eines Investors die Geschäftsführung.
Die Übersicht basiert auf öffentlichen Bekanntmachungen und Mitteilungen an Kunden. Nicht jede Übernahme wird öffentlich bekannt gegeben.
Bestehende Gruppen stärken ihre lokale Präsenz
Brokers in Excellence (BiE) hat Linkiu aus Waterloo in die Gruppe aufgenommen. Das Maklerunternehmen betreut Privatkunden, Selbstständige und Freiberufler und verfügt über besondere Expertise im Gesundheitssektor und in der Finanzplanung. Der Zusammenschluss entspricht dem Modell der von Baltisse unterstützten Gruppe: Unternehmerische Eigenständigkeit und die Identität des lokalen Maklers bleiben erhalten, während Wissen und Unterstützungsleistungen innerhalb des Netzwerks geteilt werden. Linkiu stärkt damit sowohl die lokale Präsenz als auch die fachliche Spezialisierung von BiE.
Viva Verzekeringen schloss sich Anfang September der Group Fidura an. Geschäftsführer Vincent wird Mitgesellschafter; die bisherigen Ansprechpartner bleiben den Kunden erhalten. Der Zusammenschluss eröffnet dem Unternehmen Zugang zu zusätzlicher Expertise, unter anderem bei Versicherungen für kleine und mittlere Unternehmen, Kapitalanlagen, Altersvorsorge und Finanzierungen. Group Fidura beschäftigt nach dem Zusammenschluss rund 30 Mitarbeitende.
Auch Groep Blancquaert setzte ihre Expansion fort. VDH Verzekeringen schloss sich zum 1. Juli der Gruppe an. Die bisherigen Geschäftsführer haben beschlossen, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Die Kunden werden künftig vom Standort Sint-Niklaas aus betreut. FinDD folgte zum 1. September. Hier bleiben das Team und der Standort in Antwerpen erhalten. Das Unternehmen wird unter dem Namen Groep Blancquaert weitergeführt.
Auch in Ostbelgien baute eine Maklergruppe ihre Präsenz aus. Consult+ gehört seit dem 1. August zu HECK Assurances, einem Partner von Group Induver. Sendy Brüls bleibt als vertraute Ansprechpartnerin tätig und wird von einem Team aus mehr als 25 Versicherungs- und Bankexperten unterstützt. Die Kunden werden künftig am Standort Bütgenbach betreut.
Neue Führung mit Unterstützung externen Kapitals
Die Übernahme von Lardenoit Finance & Insurance zeigt einen anderen Ansatz. Mathieu Loquet übernahm das Maklerunternehmen aus der Region Waasland mit Unterstützung von WAD Capital. Der Investor arbeitet mit einem sogenannten CEO-in-Residence-Programm: Ein ausgewählter Unternehmer übernimmt mit Unterstützung des Investors ein bestehendes Unternehmen und führt es anschließend selbst. Bei Lardenoit liegt der Fokus darauf, den Namen und die lokale Verankerung zu bewahren und zugleich in Mitarbeitende, Spezialisierung und die Geschäftsentwicklung zu investieren.
Die Transaktion verdeutlicht, dass sich Nachfolge auch durch die Verbindung von neuer Führung und externem Kapital in einem eigenständigen Maklerunternehmen gestalten lässt. Für Unternehmer erweitert dies die verfügbaren Optionen. Dabei geht es um mehr als den Verkaufspreis: Auch die künftige Rolle der Familie, der künftige Einfluss auf die Unternehmensführung und die Wachstumsperspektiven des Unternehmens verdienen Aufmerksamkeit.
Kundennähe braucht wirksame Unterstützung
In der Kommunikation zu den Zusammenschlüssen stehen persönliche Betreuung, vertraute Ansprechpartner und lokale Verbundenheit immer wieder im Mittelpunkt. Das entspricht der starken Stellung der Versicherungsmakler in Belgien. Nach Angaben des belgischen Versicherungsverbands Assuralia entfielen 2024 auf den Maklervertrieb 52,1 % des gesamten Prämienaufkommens und 61,2 % des Prämienaufkommens in der Nichtlebensversicherung.
Die Transaktionen zeigen zugleich, dass lokale Verankerung unterschiedliche Organisationsformen zulässt. In manchen Fällen bleibt ein Standort bestehen, in anderen werden die Kunden künftig von einer anderen Niederlassung betreut. Auch die Rolle des Unternehmers variiert: Er kann Mitgesellschafter werden, innerhalb eines größeren Teams aktiv bleiben oder sein Geschäft übergeben. Entscheidend ist, wie der Übergang gestaltet wird und welche Verbesserungen die Kunden tatsächlich erleben.
Für Käufer liegt die Herausforderung im operativen Alltag. Ein lokaler Makler muss unkompliziert auf die Spezialisten der Gruppe zugreifen können. Zentrale Unterstützung sollte den Verwaltungsaufwand reduzieren, damit Mitarbeitende mehr Zeit für ihre Kunden haben. So kann der Zusammenschluss Wachstum und eine bessere Kundenbetreuung ermöglichen. Bleiben diese Vorteile aus, droht ein größeres Netzwerk vor allem die Organisation komplexer zu machen.
KI verändert den Mehrwert von Größe
KI kann die Arbeitsweise eines Maklerunternehmens grundlegend verändern. Anwendungen können dabei helfen, Kundenunterlagen zu analysieren, Beratungsgespräche vorzubereiten und Kunden gezielter zu betreuen. Mit agentischer KI lassen sich auch mehrstufige Arbeitsabläufe automatisiert bearbeiten. Dadurch entstehen Möglichkeiten, mit demselben Team mehr Kunden zu betreuen und mehr Zeit für Beratung und komplexe Risiken zu gewinnen.
Größere Gruppen können dabei von gruppenweit verfügbaren Kundendaten, ihrem Spezialwissen und ihrer Investitionskraft profitieren. Voraussetzung ist jedoch eine Organisation, die diese Ressourcen auch gemeinsam nutzt. Arbeiten die einzelnen Unternehmen weiterhin mit unterschiedlichen Systemen und fragmentierten Datenbeständen, wird ein gruppenweiter KI-Einsatz schwieriger. Zudem erhalten auch kleinere Makler Zugang zu neuen Anwendungen. Größe allein garantiert daher keinen dauerhaften Wettbewerbsvorsprung.
Für Unternehmer auf Partnersuche wird es deshalb wichtiger, über die heutige Größe und die aktuellen Ergebnisse einer Gruppe hinauszublicken. Wie gut ist sie darauf vorbereitet, KI in ihre täglichen Abläufe zu integrieren? Kann sie Innovationen zügig einführen und in besseren Service, Wachstum und höhere Rentabilität übersetzen? Diese Fähigkeit dürfte zunehmend mitentscheiden, welche Partnerschaft langfristig den größten Wert schafft.
Ausblick
Das dritte Quartal zeigt, dass belgische Versicherungsmakler unterschiedliche Partner für Nachfolge und Wachstum finden: regionale Gruppen, Plattformen mit externen Investoren sowie neue Unternehmer mit Kapitalunterstützung. Welcher Ansatz am besten passt, hängt von den Zielen des Unternehmers und den Möglichkeiten seines Unternehmens ab.
In der nächsten Konsolidierungsphase wird die Qualität der Zusammenarbeit stärker ins Gewicht fallen. Gruppen müssen zeigen, wie sie lokale Kundenbeziehungen stärken, Fachwissen zugänglich machen und Technologie in ihre Abläufe integrieren. Für Maklerunternehmer liegt darin der Kern der Partnerwahl: Welche Partnerschaft bietet ihrem Unternehmen die besten Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum?
Entdecken Sie die M&A-Trends in der europäischen Versicherungsvermittlung
Der belgische Markt ist Teil einer europaweiten Entwicklung: Käufer bleiben aktiv, gehen jedoch zunehmend selektiv vor. Die Unterschiede bei den Unternehmensbewertungen nehmen zu, und Wachstum erfordert mehr als Größe allein.
Laden Sie den MarshBerry Europe M&A-Marktbericht 2026 herunter und erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte in 32 europäischen Ländern grundlegend verändern.
