Regionale Konsolidierung setzt sich fort
Mehrere Transaktionen stärkten die regionale Präsenz der Käufer. Licent übernahm Delta Planning, Quintes erwarb Bon Adviesgroep und Bijdevaate Verzekeringen übernahm den Versicherungsbestand von Van Berkel Adviesgroep. Auch unabhängige Versicherungsvermittler blieben aktiv, darunter Fin-Match, Amstelgeld und Raasveld Bennis. Die Familienunternehmen ProMeer und Elvani kündigten ihren Zusammenschluss zum 1. Januar 2027 an.
Die Konsolidierung beschränkt sich somit nicht auf große internationale und von Private Equity finanzierte Gruppen. Auch unabhängige Unternehmer führen Unternehmen zusammen oder übernehmen Bestände, um bestehende Standorte besser auszulasten, ihre Expertise zu erweitern und die Betreuung ihrer Kunden vor Ort zu stärken.
Mehr als eine Nachfolgelösung
Die Gründe für den Anschluss an eine größere Gruppe gehen über die Nachfolge hinaus. Delta Planning verwies auf personelle Engpässe und zunehmend komplexe Versicherungsfragen. Das Unternehmen suchte zusätzliche Fachkompetenz und Unterstützung, wollte dabei aber seine lokale Identität bewahren. Bei Stam Hypotheken en Verzekeringen, das von Fin-Match übernommen wurde, stand dagegen die Nachfolge im Mittelpunkt.
Eine im August veröffentlichte Umfrage von Adfiz, dem niederländischen Branchenverband unabhängiger Finanzberater, ordnet diese Entwicklung in einen größeren Zusammenhang ein. Drei Viertel der befragten Unternehmen erwarteten für 2026 ein Umsatzwachstum. Gleichzeitig hatten 40 % offene Stellen, und 36 % der Beschäftigten waren älter als 55 Jahre. Effizientere Prozesse, eine aktive Kundenbetreuung und die Digitalisierung gehörten zu den zentralen Prioritäten.
Wachstumschancen sind vorhanden, doch nicht jedes Unternehmen verfügt über die nötigen Kapazitäten, um sie zu nutzen. Selbst profitable Versicherungsvermittler können vor erheblichen Investitionen in Personal, Prozesse und Technologie stehen. Die Entscheidung zwischen Eigenständigkeit und dem Anschluss an eine Gruppe hängt daher zunehmend davon ab, wie sich das Unternehmen für die nächste Entwicklungsphase aufstellen lässt. Für Käufer wird es wichtiger, neben dem Kaufpreis auch überzeugende Perspektiven für die Beschäftigten und das weitere Wachstum zu bieten.
Spezialwissen erhöht den strategischen Wert
Auch Spezialisierung war ein erkennbares Übernahmemotiv. Klap, Teil der Ardonagh-Gruppe, übernahm Merkelbag Verzekeringen, einen Spezialisten für die Taxi- und Mobilitätsbranche. Mit Vast & Zeker Bedrijfsverzekeringen stärkte Klap zudem sein Geschäft mit Gewerbekunden. Preventass übernahm den Versicherungsbestand von Riva Verzekeringen und baute damit seine Position im Transport- und Logistiksektor aus. D&S Group beteiligte sich am Spezialisten für betriebliche Altersvorsorge Edmond Halley. ProMeer und Elvani hoben ihre gemeinsame Expertise im Unterglasanbau hervor.
Solche Unternehmen verfügen über Branchenwissen, gewachsene Kundenbeziehungen und die Kompetenz, komplexe Beratungsfragen zu lösen. Innerhalb eines größeren Netzwerks lässt sich diese Expertise breiter nutzen. Für verkaufsbereite Unternehmer unterstreicht dies die Bedeutung einer gezielten Käuferauswahl. Wie gut das Unternehmen zur Strategie des Käufers passt, kann sowohl die Transaktionsbedingungen als auch die Entwicklungsmöglichkeiten nach der Übernahme beeinflussen.
Integration gewinnt als Wachstumsstrategie an Bedeutung
Einige wichtige Entwicklungen des Quartals fanden innerhalb bestehender Gruppen statt. Söderberg & Partners übertrug zum 1. September die Serviceprovider-Aktivitäten von SAA auf RISK und Acura. Damit will die Gruppe ihre Aktivitäten stärker fokussieren und die Dienstleistungen für angeschlossene Versicherungsvermittler weiter digitalisieren. Innerhalb von Yellow Hive erläuterte SUREbusiness, wie Fachwissen, Produkte, Beschäftigte und Technologie gruppenweit vernetzt und neue spezialisierte Angebote entwickelt werden sollen.
Diese Entwicklungen greifen einen Trend aus dem zweiten Quartal auf: Wertsteigerungen müssen zunehmend aus den bereits übernommenen Unternehmen entstehen. Akquisitionen schaffen Möglichkeiten; wie viel davon tatsächlich realisiert wird, hängt von einer wirksamen Integration ab. Die Geschäftsführungen müssen entscheiden, wie sie Fachwissen gruppenweit verfügbar machen und Systeme und Prozesse so aufeinander abstimmen, dass Kosten und Personalbedarf nicht im gleichen Verhältnis wie das Geschäft wachsen.
Technologie verändert Kundenzugang und Leistungsfähigkeit
RISK erwarb eine Mehrheitsbeteiligung an Vergelijkdirect.com, um den Onlinevertrieb insbesondere im Gewerbekundensegment auszubauen. Die geplante Verbindung von Vergleichstechnologie, der eigenen SureBase-Plattform und KI-Kompetenz zeigt, wie Übernahmen den digitalen Kundenzugang stärken können. Wer potenzielle Kunden bereits bei ihrer ersten Onlinerecherche erreicht, kann früher in deren Entscheidungsprozess eingebunden werden. Damit gewinnt die Fähigkeit, neue Kunden zu erreichen, zusätzlich zu bestehenden Kundenbeziehungen an strategischer Bedeutung.
Bei Technologien zur Unterstützung des Vermittlergeschäfts erwarb Indicia eine Mehrheitsbeteiligung an Risk Explorer, einer Softwareplattform für Risikoanalyse und Bestandsmanagement. Die Beteiligung soll die Weiterentwicklung und das internationale Wachstum beschleunigen. Certe stellte zudem Certe Workforce vor: digitale Mitarbeiter, die Versicherungsvermittler bei der Vorbereitung von Beratungsgesprächen, bei Innendienstaufgaben und bei der Schadenbearbeitung unterstützen sollen.
Technologie wird damit zunehmend Teil der Wachstumsstrategie und des Leistungsangebots größerer Gruppen. KI kann zusätzliche Kapazitäten für Beratung und Kundenbetreuung schaffen, ohne dass der Personalbestand im gleichen Umfang wachsen muss. Der tatsächliche Nutzen hängt jedoch von nutzbaren Daten, der Einbindung in die täglichen Arbeitsabläufe und der Bereitschaft von Beschäftigten und Führungskräften ab, ihre Arbeitsweise anzupassen.
Investitionsdruck betrifft die gesamte Versicherungsbranche
Auch Transaktionen zwischen Versicherern spiegelten ähnliche Herausforderungen wider. DSW und Salland kündigten ihren Zusammenschluss zum 1. Januar 2028 an und verwiesen dabei auf steigende IT-Investitionen und regulatorische Anforderungen. Nationale-Nederlanden gab die Übernahme von Samenwerking Glasverzekering bekannt. Damit erweitert der Versicherer sein Angebot für Gewerbekunden um Spezialwissen und ein digital vernetztes Reparaturnetzwerk.
Diese Versicherertransaktionen, die Beteiligung an Risk Explorer und gruppeninterne Übertragungen sind in den zwölf Transaktionen der Versicherungsvermittlung nicht enthalten. Sie verdeutlichen jedoch, dass auch andere Unternehmen der Branche nach mehr Größe streben, um Investitionen zu finanzieren, Fachkompetenz auszubauen und ihre Dienstleistungen weiterzuentwickeln.
Ausblick
Das dritte Quartal bestätigt, dass die Konsolidierung in den Niederlanden weiter voranschreitet. Regionale Übernahmen bleiben relevant. Zugleich gewinnen Spezialwissen, digitaler Kundenzugang und die Zusammenarbeit innerhalb bestehender Gruppen als Wachstumstreiber an Bedeutung.
Unternehmer müssen ihre heutigen Ergebnisse zunehmend im Zusammenhang mit ihrer künftigen Wettbewerbsfähigkeit betrachten. Zwei Versicherungsvermittler mit vergleichbarem Umsatz und Gewinn können sehr unterschiedliche Wachstumsperspektiven und Investitionsbedarfe haben. Datenqualität, gut organisierte Prozesse und die Fähigkeit, Technologie wirksam einzusetzen, können diese Unterschiede vergrößern. Für den Unternehmenswert zählt daher auch das Vertrauen darauf, dass sich die künftige Ertragskraft erhalten und weiter steigern lässt.
Die Entscheidung, eigenständig zu investieren, eine Zusammenarbeit einzugehen oder zu verkaufen, setzt ein klares Bild der Ausgangslage des Unternehmens und der Ziele des Unternehmers voraus.
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