Weniger Transaktionen, doch Konsolidierung bleibt auf der Agenda
MarshBerry identifizierte im zweiten Quartal fünf Transaktionen in der belgischen Versicherungsvermittlung, nach neun im ersten Quartal. Die niedrigere Transaktionszahl ist kein Hinweis auf ein Nachlassen der Konsolidierungsdynamik. M&A wird zunehmend zu einem festen Bestandteil der Wachstumsstrategie belgischer Maklerunternehmen.
Zu den auffälligsten Transaktionen zählten zwei Übernahmen durch Concordia. Der belgische Versicherungsmakler, Teil der international tätigen und in Großbritannien ansässigen Specialist Risk Group, übernahm Protectas mit Sitz in Brüssel und Veca Life aus Tielt. Beide Unternehmen verfügen über eine starke Position im Gesundheitssektor. Protectas bringt mehr als 40 Jahre Erfahrung und spezialisierte Expertise ein, während Veca Life auf Life-&-Benefits-Lösungen für medizinische Berufe fokussiert ist. Die Übernahmen stärken damit vor allem Concordias Position in einem klar definierten Kundensegment, anstatt lediglich zusätzliche Größe zu schaffen.
Auch Vanbreda Dekerf setzte seinen Wachstumskurs mit der Integration von Insuras in Asse fort. Die bestehenden Ansprechpartner bleiben erhalten und der Standort in Asse wird weitergeführt. Die Transaktion erweitert die lokale Präsenz von Vanbreda Dekerf und wahrt zugleich die bestehenden Kundenbeziehungen.
Auch Vanbreda Dekerf setzte seinen Wachstumskurs mit der Integration von Insuras in Asse fort. Die bestehenden Ansprechpartner bleiben erhalten und der Standort in Asse wird weitergeführt. Die Transaktion erweitert die lokale Präsenz von Vanbreda Dekerf und wahrt zugleich die bestehenden Kundenbeziehungen.
Die Zahl unabhängiger Versicherungsmakler nimmt weiter ab
Die belgische Versicherungsvermittlung befindet sich in einem strukturellen Wandel. Register und Jahresberichte der belgischen Finanzaufsicht FSMA zeigen seit Jahren einen Rückgang der registrierten Marktteilnehmer. Die offiziellen Daten unterscheiden zwischen Versicherungsmaklern, Versicherungsagenten und Subagenten, sodass die einzelnen Kategorien im Zeitverlauf nicht uneingeschränkt vergleichbar sind. Der übergeordnete Trend ist dennoch eindeutig: Die Zahl unabhängiger Versicherungsmakler im Markt geht weiter zurück.
Gleichzeitig bleibt der belgische Maklermarkt stark fragmentiert. Kleinere Maklerunternehmen geraten zunehmend unter Druck. Regulierung, Digitalisierung, Cybersicherheit, Datenmanagement und komplexere Risiken erfordern höhere Investitionen. Für kleinere Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, diese Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren und organisatorisch umzusetzen. Auch die Unternehmensnachfolge bleibt ein wichtiger Grund für Inhaber, sich einer größeren Gruppe anzuschließen.
Die Marktposition der Versicherungsmakler bleibt zugleich außerordentlich stark. Im Jahr 2024 entfielen 52,1 % des gesamten belgischen Prämienaufkommens in der Lebens- und Schadenversicherung auf den Maklervertrieb. In der Schadenversicherung lag der Anteil sogar bei 61,2 %. Versicherungsmakler bleiben damit der wichtigste Vertriebskanal im belgischen Versicherungsmarkt.
Diese Kombination zieht weiterhin Käufer an: ein starker, maklergeprägter Versicherungsmarkt mit einer nach wie vor großen Zahl vergleichsweise kleiner Unternehmen. Die strukturellen Voraussetzungen für eine weitere Konsolidierung bleiben damit bestehen.
Belgien braucht ein eigenes Konsolidierungsmodell
Der belgische Markt lässt sich nicht ohne Weiteres mit den Niederlanden oder anderen stärker konsolidierten europäischen Märkten für Versicherungsvermittlung vergleichen.
Belgische Versicherungsmakler sind häufig tief in ihren lokalen Märkten verwurzelt. Viele haben über Jahrzehnte persönliche Beziehungen zu Kunden und regionalen Unternehmen aufgebaut. Der Name des Maklerunternehmens, der Inhaber und die lokale Präsenz können einen wesentlichen Teil des wirtschaftlichen Werts eines Unternehmens ausmachen.
Die Transaktionen des zweiten Quartals zeigen dies deutlich. Im Fall von Insuras betonte Vanbreda Dekerf ausdrücklich, dass die bestehenden Ansprechpartner erhalten bleiben und der Standort Asse weitergeführt wird. Auch bei Gandassur standen persönliche Betreuung und Kontinuität im Mittelpunkt der Kommunikation.
Die Transaktionen des zweiten Quartals zeigen dies deutlich. Im Fall von Insuras betonte Vanbreda Dekerf ausdrücklich, dass die bestehenden Ansprechpartner erhalten bleiben und der Standort Asse weitergeführt wird. Auch bei Gandassur standen persönliche Betreuung und Kontinuität im Mittelpunkt der Kommunikation.
Belgische Konsolidierer müssen daher die richtige Balance finden. Größe kann in Bereichen wie Technologie, Compliance, Daten, Zusammenarbeit mit Versicherern und spezialisierter Expertise erheblichen Mehrwert schaffen. Gleichzeitig müssen lokales Unternehmertum und Kundennähe erhalten bleiben, wenn sie zu den wesentlichen Stärken des übernommenen Unternehmens gehören.
Die Herausforderung verlagert sich von Übernahmen zum Aufbau integrierter Unternehmen
Mit zunehmender Größe der Plattformen verändert sich die Aufgabe der Käufer. In der ersten Phase einer Buy-and-Build-Strategie ist die Priorität vergleichsweise klar: attraktive und qualitativ hochwertige Maklerunternehmen identifizieren und übernehmen. Mit dem Wachstum der Plattform steigt jedoch die organisatorische Komplexität schnell.
Mit zunehmender Größe der Plattformen verändert sich die Aufgabe der Käufer. In der ersten Phase einer Buy-and-Build-Strategie ist die Priorität vergleichsweise klar: attraktive und qualitativ hochwertige Maklerunternehmen identifizieren und übernehmen. Mit dem Wachstum der Plattform steigt jedoch die organisatorische Komplexität schnell.
Das erfordert klare Entscheidungen. Welche Prozesse sollten zentralisiert werden? Welche Systeme müssen harmonisiert werden? Wie können Daten gruppenweit genutzt werden? Wo sollte spezialisierte Expertise aufgebaut werden? Wie lässt sich die vertriebliche Zusammenarbeit stärken? Und gerade in Belgien: Wie viel Autonomie sollte auf lokaler Ebene erhalten bleiben?
Die Gewinner der nächsten Konsolidierungsphase werden nicht zwangsläufig die Gruppen sein, die die meisten Übernahmen realisieren. Erfolgreich werden diejenigen sein, die M&A in stärkeres organisches Wachstum, höhere Produktivität und ein attraktiveres Angebot für Kunden und Mitarbeiter übersetzen können.
KI erhöht den Handlungsdruck bei der Integration
Künstliche Intelligenz fügt dieser Herausforderung eine neue Dimension hinzu. In einem Markt mit einer großen Zahl vergleichsweise kleiner Maklerunternehmen könnten die Auswirkungen erheblich sein.
Ein wesentlicher Teil der traditionellen Konsolidierungslogik beruht auf Skaleneffekten. Größere Gruppen können stärker in Technologie, zentrale Funktionen und effizientere Prozesse investieren. Agentic AI könnte einen Teil dieser wirtschaftlichen Logik verändern. Auch kleinere Versicherungsmakler erhalten zunehmend Zugang zu Anwendungen, die administrative Tätigkeiten automatisieren, Mitarbeiter unterstützen und Kundenprozesse effizienter gestalten. Technologie könnte damit einen Teil der traditionellen Nachteile geringerer Größe reduzieren.
Für größere Gruppen könnten die Chancen allerdings noch größer sein. Sie verfügen über mehr Daten, höhere Volumina und größere finanzielle Spielräume, um KI strukturell in ihre Betriebsmodelle zu integrieren. Genau hier könnte künftig einer der wesentlichen Unterschiede zwischen einer Ansammlung übernommener Maklerunternehmen und einer tatsächlich integrierten Vertriebsplattform liegen.
Die strategische Frage wird damit umfassender. Es geht nicht mehr nur um die nächste Übernahme. Konsolidierer müssen sich zugleich damit auseinandersetzen, wie ihre Organisationen in drei bis fünf Jahren funktionieren sollen, wenn KI einen wesentlichen Teil der heutigen administrativen und unterstützenden Tätigkeiten übernimmt.
Wer heute Unternehmen übernimmt, ohne diese Entwicklung in der Integrationsstrategie zu berücksichtigen, riskiert, Systeme und Prozesse auf ein Betriebsmodell auszurichten, das schneller als erwartet an Aktualität verliert.
Ausblick: Folgen als Nächstes größere Plattformtransaktionen?
Mit 14 identifizierten Transaktionen im ersten Halbjahr 2026 bleibt Belgien ein aktiver M&A-Markt in der Versicherungsvermittlung. Die nächste Entwicklung könnte jedoch zunehmend am oberen Ende des Marktes stattfinden. Mehrere Plattformen werden inzwischen seit einigen Jahren mit externem Kapital aufgebaut. Damit könnten strategische Optionen schrittweise stärker auf die Agenda der Gesellschafter rücken.
Zu den länger bestehenden Investments zählen das Engagement von Five Arrows bei der Hillewaere Group, die heute Teil der Alpina Group ist, sowie die Beteiligung von Apheon an AlliA. Andere Investoren sind erst später in den Markt eingestiegen. Hg begleitet Group Induver seit 2024, während Baltisse an Brokers in Excellence beteiligt ist. Auch SRG und Concordia befinden sich noch in einer früheren Phase ihres aktuellen Wachstumskurses.
Dies bedeutet nicht, dass entsprechende Transaktionen unmittelbar bevorstehen. Die nächste Phase der belgischen Konsolidierung könnte jedoch nicht ausschließlich durch weitere Add-on-Akquisitionen geprägt sein. Mittelfristig könnten auch Rekapitalisierungen, Gesellschafterwechsel und größere Plattformtransaktionen sichtbarer werden.
Solche Transaktionen könnten die Struktur des belgischen Maklermarktes deutlich schneller verändern als eine Reihe kleinerer Übernahmen. Zugleich würden sie deutlicher zeigen, welchen Gruppen es gelungen ist, lokale Marktstärke mit Größe, Integration und einem zukunftsfähigen Betriebsmodell zu verbinden.
Explore insurance M&A trends across Europe
Der belgische Markt ist kein Einzelfall. In ganz Europa beobachten wir denselben Trend: Käufer bleiben aktiv, werden jedoch zunehmend wählerischer. Die Bewertungen driften weiter auseinander, und Wachstum erfordert mehr als nur Größe allein.
Laden Sie den MarshBerry Europe M&A-Marktbericht 2026 herunter und erfahren Sie mehr über die Faktoren, die den Markt in 32 europäischen Ländern neu gestalten.
