Weniger Transaktionen – unverändert hoher Akquisitionsdruck
Im zweiten Quartal wurden lediglich wenige Transaktionen angekündigt. Dabei handelte es sich überwiegend um kleinere Add-on-Akquisitionen, strategische Kooperationen sowie eine Portfolioübertragung im Rahmen der Vertriebsstrategie eines Versicherers. Darüber hinaus unterstreicht eine weitere Investition in ein niederländisches InsurTech-Unternehmen, dass technologiegestützte Vermittlungsmodelle weiterhin auf großes Interesse bei Investoren stoßen.
Das geringere Transaktionsvolumen bedeutet jedoch keineswegs, dass die Akquisitionsdynamik nachlässt. Private-Equity-finanzierte Konsolidierungsplattformen, internationale Maklergruppen und strategische Käufer konkurrieren weiterhin intensiv um eine begrenzte Zahl attraktiver Übernahmekandidaten. Die Nachfrage übersteigt das verfügbare Angebot qualitativ hochwertiger Unternehmen deutlich.
Der Engpass liegt auf der Angebotsseite
Die größte Herausforderung im aktuellen Marktumfeld ist nicht die Finanzierung, sondern die Verfügbarkeit geeigneter Akquisitionsziele.
Viele erfolgreiche, unabhängige Maklerunternehmen erzielen weiterhin gute Ergebnisse, stehen nicht unter unmittelbarem Nachfolgedruck und sehen deshalb derzeit keinen Anlass, einen Verkaufsprozess einzuleiten. Dadurch nimmt die Zahl mittelständischer Unternehmen, die aktiv strategische Optionen prüfen, tendenziell ab.
Gleichzeitig wächst die Zahl potenzieller Käufer. Der Wettbewerb um attraktive Zielunternehmen verschärft sich, Verkaufsprozesse dauern länger und Transaktionen werden komplexer. Ausschlaggebend ist zunehmend nicht mehr allein der höchste Kaufpreis, sondern die Fähigkeit, Unternehmern eine überzeugende langfristige Perspektive für ihr Unternehmen, ihre Mitarbeiter und ihre Kunden aufzuzeigen.
Buy-and-Build erreicht eine neue Entwicklungsphase
Die Konsolidierungsentwicklung der niederländischen Versicherungsvermittlung scheint einen Wendepunkt zu erreichen.
In den vergangenen Jahren beruhte das Wachstum vieler Plattformen vor allem auf der Übernahme mittelgroßer regionaler Maklerunternehmen. Dieses Marktsegment bietet zwar weiterhin Potenzial, die Zahl attraktiver Übernahmekandidaten nimmt jedoch sukzessive ab.
Für viele Konsolidierungsplattformen wird deshalb die Konsolidierung des sogenannten Long Tail – also die Übernahme einer größeren Anzahl kleinerer unabhängiger Maklerunternehmen – zunehmend zur strategischen Notwendigkeit. Zusammengenommen repräsentieren diese Unternehmen nach wie vor einen bedeutenden Teil des niederländischen Vermittlermarktes und bieten weiteres Konsolidierungspotenzial.
Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus der Wertschöpfung. Je schwieriger neue Akquisitionen werden, desto stärker rücken organisches Wachstum, erfolgreiche Integration, operative Exzellenz und die Zusammenarbeit innerhalb bestehender Plattformen in den Vordergrund. Für Managementteams gewinnt damit die Fähigkeit, Wert aus bereits erworbenen Unternehmen zu schaffen, mindestens ebenso stark an Bedeutung wie die Durchführung neuer Transaktionen.
Für Plattformen, deren Wachstum bislang stark auf einer kontinuierlichen Akquisitionsstrategie beruhte, stellt dies einen grundlegenden strategischen Wandel dar. Operative Exzellenz wird damit ebenso wichtig wie die erfolgreiche Umsetzung von Transaktionen.
KI verändert die ökonomischen Grundlagen der Konsolidierung
Künstliche Intelligenz dürfte diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen.
Während Skaleneffekte bislang vor allem durch Akquisitionen erzielt wurden, eröffnet KI neue Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern, Integrationen zu beschleunigen, den Kundenservice zu verbessern und Plattformen effizienter zu organisieren.
Damit verschiebt sich auch die Grundlage der Unternehmensbewertung. Wettbewerbsvorteile entstehen künftig nicht mehr ausschließlich durch Größe, sondern zunehmend durch Technologie, Datenqualität, operative Reife und die Fähigkeit, KI erfolgreich in die Geschäftsprozesse zu integrieren. Für Konsolidierungsplattformen entwickelt sich KI damit von einem reinen Effizienzhebel zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor.
Ausblick
Das ruhigere zweite Quartal sollte nicht als Signal für einen schwächeren M&A-Markt im Jahr 2026 interpretiert werden. Mehrere Verkaufsprozesse laufen weiter und dürften nach der Sommerpause wieder an Dynamik gewinnen.
Gleichzeitig richtet sich der Blick des niederländischen Marktes zunehmend auf die nächste Welle von Nachfolgetransaktionen auf Plattformebene. Mehrere Private-Equity-finanzierte Konsolidierungsplattformen nähern sich dem Ende ihres üblichen Investitionszyklus. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Secondary Buy-outs, Rekapitalisierungen und Plattformtransaktionen in den kommenden Jahren. Diese größeren Transaktionen dürften die nächste Phase der niederländischen Marktkonsolidierung maßgeblich prägen.
Die langfristigen Fundamentaldaten der niederländischen Versicherungsvermittlung bleiben attraktiv. Kapital ist ausreichend vorhanden, das Interesse von Investoren und strategischen Käufern bleibt hoch und die strukturellen Treiber der Konsolidierung bestehen fort. Erfolgreich werden jedoch zunehmend diejenigen Marktteilnehmer sein, die disziplinierte M&A-Strategien mit operativer Exzellenz, technologischer Stärke und einer überzeugenden langfristigen Perspektive für Unternehmer verbinden.
Die nächste Phase der Konsolidierung in den Niederlanden wird nicht einfach davon bestimmt sein, wer die meisten Unternehmen übernimmt, sondern davon, wer die stärkste Plattform aufbaut.
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