Für viele Unternehmer sind die Sommerferien die einzige Zeit im Jahr, in der sich der Terminkalender endlich etwas entlastet. Weniger Besprechungen, weniger E-Mails und – was am wichtigsten ist – die Gelegenheit, sich vom Tagesgeschäft zu lösen – nicht nur, um im Unternehmen zu arbeiten, sondern um am Unternehmen zu arbeiten.
Natürlich dient der Urlaub in erster Linie der Erholung. Und genau das sollten Sie auch tun. Dennoch fühlt sich dieser Sommer anders an.
Nicht weil sich die Märkte kurzfristig verschlechtern oder die Konjunktur schwächelt, sondern weil mehrere langfristige Entwicklungen genau jetzt zusammenkommen. Künstliche Intelligenz – insbesondere Agentic AI, also autonom handelnde KI-Systeme – entwickelt sich schneller, als viele Unternehmer noch vor Kurzem für möglich gehalten hätten. Die Konsolidierung schreitet unvermindert voran. Investoren bewerten Maklerunternehmen zunehmend selektiver. Kunden erwarten mehr Geschwindigkeit, mehr Komfort und ein digitales Kundenerlebnis. Gleichzeitig ermöglichen neue Technologien Geschäftsmodelle, die selbst vor einem Jahr kaum vorstellbar gewesen wären.
Jede dieser Entwicklungen ist für sich genommen relevant. Zusammen markieren sie jedoch einen Wendepunkt. Gerade deshalb bietet der Sommer 2026 mehr denn je die Gelegenheit, sich in Ruhe eine grundlegende Frage zu stellen: Wie wird mein Maklerunternehmen im Jahr 2030 aussehen?
Die Zukunft kommt bricht selten auf einen Schlag
Große Veränderungen sind selten das Ergebnis eines einzelnen einschneidenden Ereignisses. Meistens vollziehen sie sich schrittweise. Jede Veränderung für sich wirkt überschaubar – doch gemeinsam verändern sie die Spielregeln.
Ein KI-Assistent erstellt Angebote. Ein Chatbot beantwortet Kundenanfragen. Ein Berater analysiert Risiken innerhalb weniger Sekunden statt in mehreren Stunden. Ein regionales Maklerunternehmen wird übernommen. Ein neuer digitaler Marktteilnehmer bedient Kunden auf völlig neue Weise.
Für sich genommen wirken diese Entwicklungen überschaubar. Doch wenn Hunderte solcher Veränderungen gleichzeitig stattfinden, entsteht am Ende ein völlig neues Wettbewerbsumfeld. Genau das erleben wir heute.
Die vergangenen Jahre waren vor allem von Konsolidierung und Wachstum geprägt. Nun beginnt eine neue Phase. Eine Phase, in der Unternehmensgröße allein künftig kein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil mehr sein wird. Entscheidend wird vielmehr, wie schnell sich ein Maklerunternehmen an neue Marktbedingungen anpassen kann.
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht länger: „Wie groß ist Ihr Unternehmen?“ Sondern: „Wie zukunftsfähig ist Ihr Maklerunternehmen?“
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Arbeitswelt – sondern den gesamten Markt
Viele Diskussionen über Künstliche Intelligenz drehen sich derzeit vor allem um Effizienz. Wie viel Zeit lässt sich einsparen? Welche administrativen Tätigkeiten können automatisiert werden? Wie viel schneller lassen sich Angebote erstellen oder Risiken analysieren?
Das sind berechtigte Fragen. Sie greifen jedoch zu kurz.
Die eigentliche Veränderung besteht darin, dass sich KI von einer unterstützenden Technologie zu einer eigenständig handelnden Ausführungskraft entwickelt. Agentic AI unterstützt Mitarbeitende nicht mehr nur bei einzelnen Aufgaben, sondern übernimmt zunehmend komplette Prozesse. Informationen werden selbstständig recherchiert, Risiken analysiert, Versicherungslösungen verglichen, Kundengespräche vorbereitet und Portfolios kontinuierlich überwacht.
Das verändert nicht nur die Arbeitsweise von Maklerunternehmen. Es verändert die Versicherungsvermittlung grundlegend.
Der Wettbewerb entscheidet sich am Kundenzugang
Über Jahrzehnte bestand die Kernaufgabe der Versicherungsvermittlung darin, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Produktwissen, der Zugang zu Versicherern und eine effiziente Vermittlungsorganisation bildeten das Fundament des Geschäftsmodells.
Genau dieser Teil der Wertschöpfungskette verändert sich heute am schnellsten. Künstliche Intelligenz macht Informationen jederzeit verfügbar und automatisiert immer mehr Tätigkeiten, die bislang zum klassischen Aufgabenbereich von Maklern gehörten – von der Angebotserstellung und Risikoanalyse bis hin zur Administration und Kundenkommunikation.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Versicherungsvermittlung an Bedeutung verliert. Im Gegenteil.
Je stärker operative Prozesse automatisiert werden, desto strategischer wird der Kundenzugang. Wer kennt seine Kunden am besten? Wer verfügt über die relevanten Daten? Wer versteht die Risiken hinter dem Versicherungsbedarf? Wer gestaltet die überzeugendste digitale Customer Journey? Und wer schafft es, Beratung, Technologie und Versicherungskapazitäten zu einem überzeugenden Gesamtangebot zu verbinden?
Diese Fragen werden künftig darüber entscheiden, welche Unternehmen bestimmen, wie Versicherungslösungen den Markt erreichen. Versicherungsvermittlung entwickelt sich damit von einer operativen Dienstleistung zu einer strategischen Kernkompetenz. Die Wertschöpfung verlagert sich von der Ausführung einzelner Prozesse hin zur Gestaltung des gesamten Kundenökosystems.
Der Makler verschwindet deshalb nicht – seine Rolle verändert sich grundlegend. Aus dem klassischen Vermittler wird der strategische Regisseur der gesamten Customer Journey. Er verbindet Kundenzugang, Daten, Beratung und Versicherungskapazitäten zu einem integrierten Leistungsversprechen und schafft damit nachhaltige Wettbewerbsvorteile für seine Kunden und sein Unternehmen.
Die Anforderungen an erfolgreiche Maklerunternehmen verändern sich
Mit dieser Entwicklung verändern sich auch die Kriterien, nach denen Maklerunternehmen künftig erfolgreich sein werden. Unternehmensgröße allein reicht nicht mehr aus. Entscheidend wird sein, wie differenziert, skalierbar und zukunftsfähig das Geschäftsmodell ist.
Verfügt ein Unternehmen über die richtigen Daten? Ist KI konsequent in die Unternehmensstrategie integriert oder bleibt sie ein isoliertes Pilotprojekt? Kann profitables Wachstum nachhaltig erzielt werden? Besitzt das Management die Fähigkeit, Veränderungen aktiv zu gestalten und die Organisation kontinuierlich weiterzuentwickeln? Und vor allem: Gelingt es, Kundenbeziehungen auch in einer zunehmend digitalen Welt zu stärken?
Nicht jedes Maklerunternehmen wird gleichermaßen von diesen Entwicklungen profitieren. Einige werden KI vor allem einsetzen, um bestehende Prozesse effizienter zu gestalten. Andere werden ihr Geschäftsmodell konsequent weiterentwickeln und Daten, digitale Kundeninteraktionen sowie KI zum Kern ihrer Wertschöpfung machen.
Genau hier werden sich die Unterschiede künftig deutlich zeigen – im Wachstum, in der Profitabilität, in der Attraktivität für Kunden, Mitarbeitende und Investoren sowie letztlich im Unternehmenswert.
Letztlich geht es nicht um die Frage, wie KI Ihr Unternehmen verändert. Entscheidend ist vielmehr, wie KI die Erwartungen Ihrer Kunden verändert – und wie Ihr Unternehmen darauf reagiert.
Wodurch wird sich Ihr Unternehmen im Jahr 2030 noch wirklich unterscheiden? Welchen Mehrwert bieten Sie Ihren Kunden, den weder Wettbewerber noch KI allein liefern können? Und wenn Sie Ihr Unternehmen heute neu gründen würden – würden Sie es noch genauso aufbauen?
Die Entscheidungen beginnen nach der Sommerpause
Genießen Sie Ihren Sommerurlaub. Nutzen Sie ihn aber auch, um bewusst Abstand vom Tagesgeschäft zu gewinnen und Ihr Maklerunternehmen mit etwas Distanz zu betrachten. Wo stehen Sie heute? Wo möchten Sie im Jahr 2030 stehen? Und welche Weichen müssen Sie stellen, um dieses Ziel zu erreichen?
Vielleicht besteht das wichtigste Ergebnis dieses Sommers noch nicht in einer Akquisition, einer Unternehmensveräußerung, einer neuen Technologie oder einem fertigen Strategiepapier. Vielleicht besteht es vielmehr darin, die richtigen Fragen zu identifizieren – Fragen, die sich nach der Sommerpause nicht länger aufschieben lassen.
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