MarshBerry identifizierte im zweiten Quartal 19 Maklertransaktionen in der DACH-Region, gegenüber 24 im ersten Quartal. Drei dieser Transaktionen waren zum Quartalsende noch nicht abgeschlossen. Darüber hinaus wurden sieben Transaktionen in angrenzenden Bereichen wie Dienstleister, Versicherer und Finanzierung identifiziert. Dies verdeutlicht, dass die Konsolidierung längst über den klassischen Versicherungsmaklermarkt hinausreicht.
Die reine Zahl der Transaktionen bildet die Marktentwicklung daher nur unvollständig ab. Entscheidender ist, wie sich das Käuferspektrum weiterentwickelt. Ein erheblicher Teil der Akquisitionsaktivität entfällt weiterhin auf besonders aktive Konsolidierer. Gleichzeitig treten neue Plattformen in den Markt ein, während strategische Käufer gezielt nach Möglichkeiten suchen, ihre Position in der Versicherungsvermittlung auszubauen.
Auch etablierte Käufer gehen bei ihren Akquisitionen selektiver vor. Spezialisierte Expertise, starke Kundenbeziehungen, eine starke regionale Marktposition und der Zugang zu attraktiven Bereichen der Wertschöpfungskette gewinnen neben reiner Größe an Bedeutung.
Neue Plattformen treten in einen bereits wettbewerbsintensiven Markt ein
Eine der wichtigsten Entwicklungen im zweiten Quartal war der Markteintritt neuer Konsolidierungsplattformen. Er zeigt, dass Investoren im weiterhin stark fragmentierten deutschen Versicherungsvermittlungsmarkt erhebliches Konsolidierungspotenzial sehen.
Der Private-Equity-Investor Inflexion beteiligte sich an Mittelstands-Assekuranz-Partner (MAP), einer neuen Versicherungsmaklerplattform mit Hauptsitz in München. MAP richtet sich an mittelständische Unternehmen, Firmenkunden und vermögende Privatkunden in Deutschland. Cremer Assekuranz aus Düsseldorf schloss sich als erster strategischer Partner an.
Mit der MoIn Group kommt eine weitere, klar differenzierte Konsolidierungsstrategie auf den deutschen Markt. Mit Warburg Pincus als Investor startete MoIn mit den Übernahmen von Compari und der Sünderwald / SüGa Group und schuf damit von Beginn an eine Basis für weiteres Wachstum. MoIn positioniert sich als Deutschlands erste „AI Roll-up“-Plattform in der Versicherungsvermittlung. Das Konzept verbindet die Übernahme profitabler mittelständischer Maklerunternehmen mit dem Einsatz von KI-Agenten zur Automatisierung administrativer und IT-intensiver Prozesse. Dadurch sollen operative Abläufe effizienter gestaltet und Mitarbeitende entlastet werden, sodass mehr Kapazität für die Kundenbetreuung entsteht.
Der Markteintritt von MAP und MoIn ist ein wichtiges Signal. Der zunehmende Wettbewerb im deutschen Markt schreckt neues Kapital nicht ab. Im Gegenteil: Investoren sehen weiterhin die Möglichkeit, neue, differenzierte Plattformen aufzubauen. Für neue Marktteilnehmer wird es dabei nicht ausreichen, sich allein über attraktive Bewertungen zu differenzieren. Ebenso entscheidend werden das Leistungsversprechen, das Betriebsmodell und die Fähigkeit sein, Unternehmern eine attraktive langfristige Perspektive für ihr Unternehmen zu bieten.
Etablierte Konsolidierer geben weiterhin das Tempo vor
Während neue Plattformen im zweiten Quartal viel Aufmerksamkeit auf sich zogen, entfiel ein wesentlicher Teil der Transaktionsaktivität weiterhin auf etablierte Konsolidierer mit aktiven Buy-and-Build-Strategien.
Leading Brokers United der GGW Group schloss im Quartal drei Übernahmen ab. Koch + Pillmann bringt mehr als 50 Jahre Erfahrung in der Betreuung von Industrie-, Gewerbe- und Privatkunden ein, unter anderem mit Expertise in Cyber- und Managementrisiken sowie internationalen Versicherungsprogrammen. Billerbeck stärkt die Position von GGW im gewerblichen Mittelstand rund um Hannover, während Nutzinger Zucker spezialisierte Expertise in ausgewählten Gewerbesegmenten ergänzt, darunter Wein- und Sektproduzenten sowie Messe- und Ausstellungsbau.
Auch blau direkt und Tjara gehörten zu den aktivsten Käufern des Quartals und kamen zusammen auf vier Maklertransaktionen: Finanz-Zirkel, Eduard Österreicher, Groß & Faschin sowie M&W Finanzoptimierung. Ihre Aktivität zeigt, wie stark sich das Transaktionsvolumen auf Konsolidierer konzentriert, die über das Kapital und die Infrastruktur verfügen, um mehrere Akquisitionen parallel umzusetzen.
ATTIKON setzte seine hohe Akquisitionsdynamik mit den Übernahmen von Wirth Assekuranzmakler in Deutschland und Bauer Hartmann Stögerer in Österreich fort. Zusammen mit den Aktivitäten im ersten Quartal kommt ATTIKON damit im ersten Halbjahr 2026 auf neun Akquisitionen und zählt zu den aktivsten Konsolidierern im DACH-Markt.
Wirth stärkt die Präsenz von ATTIKON in München und bringt besondere Expertise in der Immobilienwirtschaft ein, unter anderem bei Hausverwaltungen und gewerblichen Kunden. Bauer Hartmann Stögerer mit Sitz in Eisenstadt und rund zwölf Mitarbeitenden baut die Präsenz von ATTIKON in Österreich weiter aus und ergänzt die Gruppe um Expertise in Gewerbeversicherungen und Haftpflichtrisiken.
Auch Aventus setzte seine Akquisitionsstrategie fort. Mit der Mehrheitsbeteiligung an Corporate Pension Partner (CPP) erweiterte die Gruppe ihr Portfolio um einen etablierten Spezialisten für betriebliche Altersversorgung und Employee Benefits. Diese Expertise lässt sich perspektivisch auch innerhalb des breiteren Firmenkundenportfolios der Gruppe nutzen. Der Zusammenschluss mit Dirr & Kollegen war hingegen klar auf die langfristige Unternehmensnachfolge ausgerichtet und stärkte zugleich die regionale Position von Aventus im Raum Augsburg.
Weitere etablierte Plattformen blieben ebenfalls aktiv. GLOBAL GRUPPE übernahm ACCURA, einen Nürnberger Spezialisten für Wohnmobilversicherungen, und stärkte damit ihre Position in einem klar definierten Spezialsegment.
GLOBAL GRUPPE schloss im Quartal zudem eine bedeutende Refinanzierung ab. Die bestehenden Kreditfazilitäten wurden durch eine mehrfach überzeichnete Unitranche-Finanzierung eines Konsortiums institutioneller Kreditgeber refinanziert. Medienberichten zufolge belief sich das Gesamtfinanzierungsvolumen auf rund 1,5 Milliarden Euro. Damit zählt die Finanzierung zu den größeren europäischen Direct-Lending-Transaktionen des Jahres 2026.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Refinanzierung. Medienberichten zufolge war ihr ein Verkaufsprozess vorausgegangen, der nicht zu einer Transaktion führte. Als wesentlicher Grund wurde eine Differenz zwischen den Bewertungsvorstellungen der Gesellschafter und den Angeboten potenzieller Käufer genannt. Anstelle eines Exits haben GLOBAL GRUPPE und ihre Gesellschafter damit faktisch die aktuelle Wachstumsphase der Plattform verlängert. Die neue Finanzierungsstruktur schafft zugleich zusätzlichen finanziellen Spielraum für weitere Akquisitionen.
Die Refinanzierung verdeutlicht, wie weit der Konsolidierungszyklus inzwischen fortgeschritten ist. Akquisitionskapazität entsteht nicht mehr ausschließlich durch den Einstieg neuen Private-Equity-Kapitals. Größere etablierte Plattformen können zunehmend auf umfangreiche Private-Credit-Finanzierungen zurückgreifen, um ihre Kapitalstruktur neu aufzustellen und längerfristige Buy-and-Build-Strategien fortzusetzen. Mit zunehmender Größe der Plattformen dürften Finanzierungs- und Eigentümerfragen daher neben klassischen Maklertransaktionen eine immer wichtigere Rolle im DACH-M&A-Markt spielen.
Für sich genommen handelt es sich bei vielen der Akquisitionen etablierter Konsolidierer im zweiten Quartal um ergänzende Zukäufe. In ihrer Gesamtheit zeigen sie jedoch einen zunehmend gezielten Plattformaufbau. Führende Käufer nutzen M&A nicht mehr allein für weiteres anorganisches Wachstum, sondern zunehmend gezielt, um ihre regionale Marktposition zu stärken, spezialisierte Kompetenzen auszubauen und attraktive Kundensegmente zu erschließen.
Strategische Käufer erweitern das Käuferspektrum
Das zweite Quartal zeigte zugleich, dass sich das Interesse an der Versicherungsvermittlung längst nicht mehr auf klassische Maklerkonsolidierer und Private-Equity-gestützte Plattformen beschränkt.
Swiss Life vereinbarte im Mai die Übernahme der TELIS Group, einer Finanzberatungsgruppe aus Regensburg mit rund 1.800 zertifizierten Beratern sowie Unternehmen wie TELIS FINANZ, Deutsches Maklerforum und DEMA Deutsche Versicherungsmakler. Die Transaktion wurde am 1. Juli vollzogen und fällt damit nicht in die Zahl der im zweiten Quartal abgeschlossenen Transaktionen. Da sie jedoch bereits im Mai angekündigt wurde, ist sie dennoch ein wichtiger Bestandteil des Marktbildes für Q2.
Nach Abschluss der Transaktion wuchs die Vertriebsorganisation von Swiss Life Deutschland auf rund 8.000 zertifizierte Berater. Auf Pro-forma-Basis für 2025 einschließlich TELIS erzielt die Organisation ein jährliches Fee Income von mehr als einer Milliarde Euro. TELIS wird seine Marken beibehalten und innerhalb der größeren Organisation weiterhin eigenständig operieren.
Die Transaktion unterscheidet sich sowohl hinsichtlich ihrer Größe als auch ihrer strategischen Logik von einem Großteil der M&A-Aktivitäten in der DACH-Versicherungsvermittlung. Sie verdeutlicht den strategischen Wert, den etablierte Finanzdienstleistungsgruppen Vertriebsstrukturen, Beraterbeziehungen und dem direkten Zugang zu Kunden beimessen.
Für Gesellschafter von Maklerunternehmen ist dieses breitere Käuferspektrum von erheblicher Bedeutung. Zu den potenziellen Erwerbern zählen heute nationale Konsolidierer, neue Private-Equity-gestützte Plattformen, internationale Maklergruppen, Versicherer und breiter aufgestellte Finanzdienstleister. Diese Käufergruppen verfolgen unterschiedliche strategische Ziele und können demselben Unternehmen daher auch einen unterschiedlichen Wert beimessen.
Für Gesellschafter wird es damit zunehmend entscheidend zu verstehen, für welchen Käufer das eigene Unternehmen den größten strategischen Wert besitzt. Gerade darin kann ein wesentlicher Hebel für die Bewertung liegen.
Konsolidierung geht über die Übernahme von Versicherungsmaklern hinaus
Ein weiteres wichtiges Merkmal des zweiten Quartals war die Aktivität innerhalb der breiteren Infrastruktur rund um die Versicherungsvermittlung.
germanBroker.net und CHARTA Börse für Versicherungen vereinbarten einen Zusammenschluss, nachdem die beiden maklereigenen Organisationen bereits 2024 eine strategische Allianz geschlossen hatten. Der Zusammenschluss wurde Ende Juni von den Gesellschaftern genehmigt. Beide Organisationen nannten steigende technologische Anforderungen und die Digitalisierung als wesentliche Gründe für die Bündelung ihrer Ressourcen.
In eine ähnliche Richtung weist die Beteiligung von VEMA in Höhe von 9,9 Prozent an BCA. Die Investition vertieft eine seit 2023 bestehende Zusammenarbeit und soll die unabhängige Dienstleistungsinfrastruktur sowie den freien Marktzugang bei Versicherungs- und Investmentprodukten stärken.
Zusammen mit weiteren Aktivitäten bei Dienstleistern und Versicherern im Laufe des Quartals zeigen diese Transaktionen, dass die Konsolidierung zunehmend das gesamte Versicherungsökosystem erfasst. Eigentümerstrukturen, Kooperationen und Serviceplattformmodelle entwickeln sich parallel zur klassischen Konsolidierung im Maklermarkt weiter, da Marktteilnehmer nach Skaleneffekten in Technologie und Infrastruktur sowie einem besseren Marktzugang suchen.
Damit wird auch die strategische Fragestellung für unabhängige Versicherungsmakler breiter. Es geht längst nicht mehr nur um die Entscheidung zwischen Unabhängigkeit und Verkauf. Zunehmend stellt sich die Frage, welche Plattform, welches Netzwerk oder welches Ökosystem langfristig die stärkste strategische Position bietet.
Grenzüberschreitende Expansion als weiterer Wachstumspfad
Die Übernahme von Bauer Hartmann Stögerer durch ATTIKON unterstreicht eine weitere Entwicklung, die künftig an Bedeutung gewinnen dürfte: die Expansion deutscher Konsolidierer in angrenzende DACH-Märkte.
Die österreichische Transaktion stärkt die Präsenz von ATTIKON im Land und unterstützt das Ziel, dort ein Netzwerk spezialisierter Versicherungsmakler aufzubauen. Mit zunehmender Größe deutscher Plattformen und wachsendem Wettbewerb um attraktive Unternehmen im Heimatmarkt wird die selektive Expansion nach Österreich und in die Schweiz zu einer logischen Erweiterung etablierter Buy-and-Build-Strategien.
Viele der strukturellen Faktoren, die die Konsolidierung in Deutschland vorantreiben, sind auch in anderen Teilen der Region vorhanden: fragmentierte Eigentümerstrukturen, Nachfolgefragen und ein wachsender Investitionsbedarf in Technologie und betriebliche Infrastruktur.
Die nächste Phase der DACH-Konsolidierung nimmt Gestalt an
Das zweite Quartal deutet nicht auf eine Abschwächung der M&A-Aktivität in der DACH-Versicherungsvermittlung hin. Die 19 im Quartal identifizierten Maklertransaktionen liegen zwar unter den 24 Transaktionen des ersten Quartals, die Aktivität bleibt jedoch hoch und das Käuferspektrum wird breiter.
Entscheidender ist, dass sich die Zusammensetzung des Marktes verändert. Etablierte Konsolidierer wie GGW, blau direkt / Tjara und ATTIKON setzen ihre Akquisitionsstrategien mit hohem Tempo fort. Neue Plattformen wie MAP und MoIn bringen zusätzliche Akquisitionskapazität in den Markt. Strategische Käufer wie Swiss Life unterstreichen den Wert, den etablierte Finanzdienstleister Vertriebsstrukturen beimessen. Gleichzeitig zeigt die Refinanzierung der GLOBAL GRUPPE, welche Finanzierungsmöglichkeiten etablierten Plattformen inzwischen offenstehen. Die Aktivitäten bei Dienstleistern und in der Vertriebsinfrastruktur verdeutlichen darüber hinaus, dass die Konsolidierung zunehmend das gesamte Versicherungsökosystem erfasst.
Das Ergebnis ist ein Markt mit mehr Kapital, einer größeren Vielfalt an Käufermodellen und einem zunehmend intensiven Wettbewerb um attraktive Unternehmen. Für Verkäufer eröffnet dies Chancen. Unterschiedliche Käufer können demselben Unternehmen aus unterschiedlichen strategischen Gründen einen unterschiedlichen Wert beimessen. Eine professionelle Positionierung und ein klares Verständnis des strategischen Fits werden damit immer wichtiger, um Wettbewerb zwischen potenziellen Käufern zu schaffen und im Transaktionsprozess die bestmögliche Bewertung zu erzielen.
Auch für Käufer verändert sich die Herausforderung. Der reine Zugang zu Kapital wird künftig nicht ausreichen. Erfolgreiche Plattformen müssen zeigen, dass Akquisitionen nachhaltiges organisches Wachstum unterstützen, spezialisierte Kompetenzen innerhalb der größeren Organisation genutzt werden können und Investitionen in Technologie und Infrastruktur tatsächlich operative Skaleneffekte schaffen.
In der nächsten Phase der DACH-Konsolidierung wird es daher nicht mehr darum gehen, möglichst viele Versicherungsmakler zu übernehmen. Entscheidend wird vielmehr sein, die stärksten Plattformen aufzubauen und zu den Organisationen zu gehören, denen sich die besten Makler anschließen wollen.
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