Bereits im ersten Quartal zeichnete sich ab, dass französische Käufer zunehmend spezialisierte Expertise und den Zugang zu attraktiven Kundensegmenten in den Mittelpunkt ihrer M&A-Strategien stellen, anstatt primär auf Größe zu setzen. Im zweiten Quartal setzte sich dieser Trend fort. Gleichzeitig wurde eine weitere Entwicklung sichtbar: die Bündelung dieser Kompetenzen in breiter aufgestellten und stärker diversifizierten Vermittlungsplattformen.
Kereis erhöht das AkquisitionstempoKereis steps up acquisition activity
Kereis war im zweiten Quartal der aktivste von MarshBerry identifizierte Käufer. Die Gruppe schloss die Übernahmen von Granier Assurances und Jadis Assurances ab und kündigte zudem den geplanten Zusammenschluss mit Santiane an.
Mit Granier Assurances stärkt Kereis sein Geschäft mit gewerblichen Versicherungen im Südosten Frankreichs. Das 1970 gegründete Familienunternehmen verfügt über eine etablierte Position im KMU-Segment in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Die Übernahme von Jadis Assurances baut das direkte Maklergeschäft von Kereis weiter aus. Jadis mit Sitz in der Region Paris ist seit 1968 tätig und betreut mit einem Team von rund 25 Mitarbeitenden etwa 4.000 Firmenkunden in ganz Frankreich.
Mit der geplanten Übernahme von Santiane geht Kereis einen deutlich größeren strategischen Schritt. Santiane zählt zu den führenden französischen Vermittlern von Privatkundenversicherungen und verbindet Wholesale-Brokerage, digitalen Direktvertrieb und technologische Expertise.
Durch den geplanten Zusammenschluss würde eine Gruppe entstehen, die fast 20 Millionen Kunden betreut, mehr als 2.000 Mitarbeitende beschäftigt und in sieben europäischen Ländern aktiv ist. Die Gruppe würde ein breites Spektrum an Aktivitäten abdecken, darunter umfangreiche Partnerschaften mit Banken und Versicherern, Wholesale-Brokerage, digitaler Vertrieb und direkte Versicherungsvermittlung. Seit Ende des zweiten Quartals ist die Transaktion weiter vorangeschritten. Am 17. Juli genehmigte die französische Wettbewerbsbehörde die Übernahme der alleinigen Kontrolle über Santiane durch Kereis.
Spezialisierte Expertise bleibt ein wichtiger M&A-Treiber
Auch wenn Kereis-Santiane im zweiten Quartal besondere Aufmerksamkeit auf sich zog, bestätigte die weitere M&A-Aktivität zugleich die anhaltende Bedeutung spezialisierter Expertise als Akquisitionstreiber.
Finaxy Group übernahm Atekka, eine 2016 gegründete technologiegestützte Plattform für Agrarversicherungen. Im Jahr 2025 versicherte Atekka mehr als 2.000 landwirtschaftliche Betriebe und rund 340.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Das damit verbundene Prämienvolumen belief sich auf 21 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren erzielte das Unternehmen ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 48%. Für Finaxy stärkt die Akquisition die Positionierung als Multi-Spezialist und erweitert die Expertise im Bereich Agrarversicherungen, einem Segment, in dem die Anforderungen an die Beurteilung und Absicherung von Risiken zunehmend komplexer und spezialisierter werden.
Auch Diot-Siaci schloss mit der Übernahme von Réunion Aérienne & Spatiale (RA&S), einem spezialisierten Makler für Luft- und Raumfahrtversicherungen mit knapp 100 Mitarbeitenden, eine Akquisition ab. Die strategische Logik geht dabei über die reine Ergänzung spezialisierter Maklerexpertise hinaus. Diot-Siaci will den Zusammenschluss nutzen, um ein MGA-Vertriebsmodell mit besonderem Fokus auf Großrisiken zu entwickeln. Damit ergänzt die Gruppe ihr bestehendes Versicherungsmaklergeschäft um eine zusätzliche Vertriebskompetenz.
Neuer PE-finanzierter Konsolidierer startet Akquisitionsstrategie
Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung war die Übernahme von EMG Courtage durch Suire-Sogeas. Es handelt sich um die erste Bolt-on-Akquisition seit dem Einstieg von Meanings Capital Partners Ende 2025 und markiert damit den Start der Buy-and-Build-Strategie von Suire-Sogeas. EMG Courtage ist auf betriebliche Kranken- und Einkommensversicherungen spezialisiert und verfügt über besondere Expertise in der Betreuung von Verbänden und Organisationen im medizinisch-sozialen Bereich.
Suire-Sogeas selbst entstand aus dem Zusammenschluss von Suire Vie & Patrimoine und Sogeas und betreut inzwischen ein Prämienvolumen von mehr als 100 Millionen Euro. Die Gruppe will M&A gezielt nutzen, um ihre landesweite Präsenz auszubauen, die Organisation weiterzuentwickeln und ihr Produktangebot zu verbreitern.
Die strategische Bedeutung der EMG-Transaktion liegt daher weniger in der Größe der einzelnen Akquisition als vielmehr darin, dass sich mit Suire-Sogeas eine weitere Private-Equity-finanzierte Plattform als aktiver Konsolidierer im französischen Markt positioniert.
Von spezialisierten Akquisitionen zur Plattformbildung
Die erste Jahreshälfte 2026 zeigt, dass sich M&A in der französischen Versicherungsvermittlung zunehmend entlang zweier paralleler Entwicklungslinien bewegt.
Die erste bleibt auf den gezielten Ausbau spezialisierter Expertise ausgerichtet. Atekka stärkt Finaxy im Bereich Agrarversicherungen, RA&S erweitert die Position von Diot-Siaci in der Luft- und Raumfahrtversicherung, EMG ergänzt Suire-Sogeas im Bereich der betrieblichen Kranken- und Einkommensversicherungen, während Granier und Jadis das direkte Maklergeschäft von Kereis verbreitern.
Die zweite Entwicklungslinie ist die Konsolidierung auf Plattformebene. Kereis-Santiane ist hierfür das deutlichste Beispiel. Anstatt lediglich eine einzelne Spezialisierung hinzuzufügen, führt die Transaktion umfangreiche bestehende Aktivitäten in den Bereichen Wholesale-Brokerage, Direktvertrieb, Privatkundenversicherungen und Technologie innerhalb einer deutlich größeren Plattform zusammen.
Die Transaktion unterstreicht zugleich die weiterhin bedeutende Rolle privaten Kapitals in der französischen Versicherungsvermittlung. Nach der Übernahme von Kereis durch Advent International von Bridgepoint im Jahr 2025 zeigt die Santiane-Transaktion, wie M&A unter neuen Eigentümern gezielt eingesetzt wird, um die Weiterentwicklung von Plattformen und den Aufbau zusätzlicher Größe zu beschleunigen.
Ausblick
MarshBerry identifizierte im zweiten Quartal fünf abgeschlossene Transaktionen in der französischen Versicherungsvermittlung, gegenüber zwölf im ersten Quartal. Damit beläuft sich die bislang identifizierte Zahl der Transaktionen im ersten Halbjahr 2026 auf insgesamt 17. Trotz des rückläufigen Transaktionsvolumens bleiben die grundlegenden Voraussetzungen für eine weitere Konsolidierung unverändert bestehen.
Der Wettbewerb um attraktive Übernahmeziele dürfte intensiv bleiben, nicht zuletzt aufgrund gut kapitalisierter strategischer Käufer und PE-finanzierter Plattformen. Mit fortschreitender Konsolidierung könnte sich der Markt schrittweise in Richtung einer geringeren Zahl, dafür potenziell größerer Transaktionen entwickeln. Gleichzeitig ist weiterhin mit einem stetigen Strom selektiver Bolt-on-Akquisitionen zu rechnen.
Für Käufer rücken ein disziplinierter Kapitaleinsatz, eine erfolgreiche Integration und die Fähigkeit, durch Akquisitionen gewonnene Größe nachweislich in nachhaltiges Wachstum und höhere Margen zu überführen, zunehmend in den Mittelpunkt. Für Anteilseigner dürften Unternehmen mit klar differenzierter Expertise, attraktiven Wachstumsprofilen und einer überzeugenden strategischen Passung weiterhin gut positioniert sein, um das Interesse potenzieller Käufer auf sich zu ziehen.
Der französische Markt geht damit mit einem breiteren Spektrum potenzieller Transaktionstypen in die zweite Jahreshälfte 2026: von gezielten Akquisitionen spezialisierter Anbieter über größere strategische Zusammenschlüsse bis hin zu Eigentümerwechseln.
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